Arbeitsmarktanalyse für das zweite Vierteljahr 2020 2020-10-01

Im Vergleich zu derselben Periode des Jahres 2019 hat die Beschäftigung als Lohnempfänger im zweiten Vierteljahr 2020 erheblich abgenommen. Der Abbau der Anzahl Arbeitsplätze ist noch ziemlich beschränkt (-0,7%). Die Senkung des Arbeitsvolumens in Vollzeitäquivalenten ist hingegen sehr stark (-13,6%).

Dies ist eine direkte Folge der Coronavirus-Krise und der diesbezüglichen ab Mitte März eingeführten Maßnahmen. Der starke Rückgang kennzeichnet vor allem eine große Anzahl Sektoren, wobei bestimmte Sektoren schwerer getroffen sind als andere.  

Gegenüber dem vorab vorgesehenen Trend (eine Wachstumsrate von +1,3%) hat die Coronavirus-Krise einen Gesamtverlust an Arbeitsvolumen von beinahe eine halbe Million Vollzeitäquivalenten herbeigeführt. Für ungefähr 90% besteht dieser Verlust aus Arbeitsleistungen die in zeitweilige Arbeitslosigkeit umgewandelt wurden. Die übrigen 10% sind in etwa gleichem Maße auf die Beendung oder Streichung sehr befristeter Verträge und auf den verringerten Zustrom neuer Arbeitnehmer zurückzuführen.

Corona-Krise und Arbeitsmarkt

Die Gesamt – oder Teilstilllegung von sehr viel Unternehmen manifestiert sich auf dem Arbeitsmarkt hauptsächlich auf zweierlei Weisen : zeitweilige Arbeitslosigkeit und die Beendung oder Nichterneuerung befristeter Verträge. Diese Phänomene sind beide in den Zahlen ersichtlich, wenn auch auf eine andere Weise.

Bei zeitweiliger Arbeitslosigkeit wird der Band zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber beibehalten aber werden keine oder nur Teilarbeitsleistungen erbracht, was zu einer direkten Verringerung des Arbeitsvolumens in Vollzeitäquivalenten führt.

Die Beendung oder Nichterneuerung befristeter Verträge hingegen verursacht vor allem in den Betriebszweigen, wo es viele sehr befristete Verträge gibt (Zeitarbeit, Horeca-Sektor/Hotel – und Gaststättengewerbe, …), einen unmittelbaren Abbau der Zahl der Arbeitsplätze. Weil diese sehr befristeten Arbeitsstellen (wie zum Beispiel die Flexi-Jobs im Hotel – und Gaststättengewerbe) in manchen Fällen zusätzliche Arbeitsplätze sind, ist die Senkung der Zahl der beschäftigten Arbeitnehmer weniger ausgeprägt. Der Verlust an Arbeitsvolumen dieser Arbeitsstellen ist auch eher beschränkt.

Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei

In der Landwirtschaft und im Gartenbau ist die Beschäftigung als Lohnempfänger in wichtigem Maße aus Saisonarbeit (in Form von Gelegenheitsarbeit) zusammengesetzt. Es wurden Maßnahmen ergriffen, um das Arbeitskräfteangebot (das in normalen Zeiten für mehr als 75% aus dem Ausland kommt) aufrecht zu erhalten. Es wird öfter auf Arbeitskräfte außer der Kategorie der traditionellen Saisonarbeiter zurückgegriffen. Diese Arbeitnehmer leisten jedoch weniger Stunden und Tage als die normalen Saisonarbeiter. Hierdurch steigt zwar die Zahl der Arbeitsplätze erheblich (+10% im Vergleich zum zweiten Quartal 2019) aber das Arbeitsvolumen kennt nur eine leichte Zunahme (+2,5%).

Industrie und Bau

Die Industrie und das Baugewerbe gehören nicht zu den Sektoren, die von offizieller Seite geschlossen wurden. Dennoch wurden mehrere Unternehmen in diesen Sektoren während einer bestimmten Zeit ganz oder teilweise stillgelegt, an erster Stelle wegen der Notwendigkeit, die Arbeitsumstände an die gesundheitstechnischen Anforderungen anzupassen.

Dies hat nur eine sehr begrenzte Auswirkung auf die Zahl der Arbeitsplätze : -0,3% auf Jahresbasis.

Das Arbeitsvolumen in Vollzeitäquivalenten nimmt aber in hohem Maße ab (-15,6% auf Jahresbasis), vor allem in der Textil – und Bekleidungsindustrie, den Druckereien, der Herstellung von Elektrogeräten, der Herstellung von Transportmittel und der Möbelindustrie. Das Baugewerbe kannte auch einen starken Rückgang mit einer Senkung von beinahe -20%. Nur die Pharmaindustrie kennt noch ein kräftiges Wachstum.

Dienstleistungssektoren

Vor allem im Bereich der kommerziellen Dienstleistung gibt es zahlreiche Sektoren, die  zu einer Gesamt – oder Teilschließung gezwungen wurden (Horeca-Sektor, Verkauf und Reparatur von Wagen, Non-Food-Einzelhandel, Reisesektor, Reinigungsdienste). Im Gegensatz zu den übrigen Sektoren gibt es durch die höhere Beteiligung von Arbeitnehmern mit sehr kurzfristigen Verträgen eine nennenswerte Auswirkung auf die Zahl der Arbeitsplätze (-2%) und eine große Auswirkung auf das Arbeitsvolumen (-21%). Der Rückgang ist am stärksten in den vorgenannten stillgelegten Sektoren und im Zeitarbeitssektor. Für die Sektoren,  die in erheblichem Maße auf Telearbeit umstellen konnten, gibt es eine beschränktere Auswirkung auf die Beschäftigung. Dies gilt unter mehr für den Finanzsektor, die IKT (Informatik) und die “Rechtlichen, buchhalterischen, betriebswirtschaftlichen und technischen Dienstleistung ”.

In der nichtkommerziellen Dienstleistung gibt es noch eine leichte Zunahme der Zahl der Arbeitsplätze (+0,4%) und gibt es global einen beschränkten Abbau des Arbeitsvolumens (-4%). Das Arbeitsvolumen ist vor allem in den Sektoren “Kunst, Unterhaltungs – und Erholungsdienstleistungen, Sport” (-44%), “Sonstige persönlichen Dienstleistungen” (-20%) und ʺSoziale Dienstleistungen ohne Unterkunftʺ (-16%) zurückgegangen. Der Effekt ist sehr beschränkt in den staatlichen Sektoren ʺÖffentliche Verwaltungʺ (-1,5%) und ʺUnterrichtʺ
(-0,5%) , ʺGesundheitspflege und soziale Dienstleistungen mit Unterkunftʺ (-1%).

Zeitarbeit

Die Nachfrage nach Arbeitskräften durch Zeitarbeit ist wegen der Gesamt – oder Teilstillegung von Unternehmen, die Zeitarbeitskräfte benutzen, stark zurückgegangen. Ende June 2020 wurden im Zeitarbeitssektor 18% weniger Arbeitsplätze als Ende June 2019 gezählt (-20% bei Handarbeitern, -17% bei Angestellten). Das Arbeitsvolumen in Vollzeitäquivalenten ist während des zweiten Vierteljahrs 2020 sehr stark zurückgegangen : insgesamt -33%, -35% bei Handarbeitern, -31% bei Angestellten. Auch bei den Dienstleistungsscheck-Unternehmen wurden die Tätigkeiten Ende Juni stark zurückgeschraubt, wodurch das Arbeitsvolumen in Vollzeitäquivalenten in diesem Sektor um -45% zurückgegangen ist.

Arbeitnehmerprofil

Der Rückgang der Beschäftigung ist stärker bei Männern (-14,5% in Arbeitsvolumen) als bei Frauen (-12,4%) und ist am stärksten in den jüngsten Altersgruppen (-24% bei den Jugendlichen unter 25 Jahren und -15% bei der Gruppe im Alter von 25 bis 39 Jahren.

Der Rückgang manifestiert sich nahezu ganz im Privatsektor (-18,6% in Arbeitsvolumen) und trifft im Privatsektor sowohl die Vollzeitarbeitsstellen (-16% in Arbeitsvolumen ) als auch die Teilzeitarbeitsstellen (-21% in Arbeitsvolumen).

Der Rückgang gilt für die Einwohner der drei Regionen, vor allem für das Arbeitsvolumen : die Brüsseler hauptstädtische Region (-17%), die Flämische Region (-13%) und die Wallonische Region (-13,6%).

Mehr Information

Schnellschätzungen der Beschäftigung

 
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